Anne MohrAnne Mohr über sich und ihre Schätze: Das Ruhrgebiet in Oberhausen mit seiner inzwischen vergange-nen Industriekultur hat meine Kindheit und Jugend geprägt. Nach Abschluß der Realschu-le habe ich eine kaufmännische Lehre bei den Verkaufsanstalten der Oberhausener Gutehoffnungshütte begonnen, wobei sich schon früh der Schwerpunkt Werbung herausbildete. Während meiner Ausbildungszeit besuchte ich Fachkurse der Folkwangwerkkunstschule in Essen, der sich weitere Kurse in Neuwied und München anschlossen.

Mit 20 Jahren wurde ich 1958 schon Leiterin der Werbeabteilung. Mein Interesse an der Arbeit mit Menschen führte mich zu dem Entschluß, das Studium der Sozialarbeit in Düsseldorf aufzunehmen. Nach dem Studienabschluß absolvierte ich ein Berufspraktikum bei der Stadtverwaltung Oberhausen, wobei ich für einige Zeit die Leitung eines Kindergartens in einem sozialem Brennpunkt übernahm. Ein weiteres Berufspraktikum führte mich zur Jugendbildungsstätte des Hedwig-Dransfeld-Hauses (HDH) nach Bendorf b. Koblenz. Als Dipl. Sozialarbeiterin übernahm ich 1966 eine Stelle als Bildungsreferentin im HDH. Ab 1967 leiteet ich die Jugendfreizeitstätte „Offene Tür“ beim Katholischen Gemeindeverband in Oberhausen-Strekrade. Während dieser Zeit nahm ich ein Zusatzstudium an der Gesamthochschule Essen in Pädagogik, Psychologie und Kunst auf. Ab 1968 war ich Jahre lang im Bischöflichen Jugendamt des Bistums Essen Referentin für sozialpolitische Bildung. Als 1973 die Leitung der Katholischen Familienbildungsstätte in der Stadt erstmals mit einer hauptamtlichen Kraft besetzt werden sollte, wurde ich in diese Position berufen. Vier Bildungseinrichtungen der katholischen Frauenorganisationen führte ich zu einer Institutionen zusammen, die später im Zusammenhang mit dem Erwachsenweiterbildungsgesetz von Nordrhein Westfalen mit über 50.000 Unterrichtsstunden die größte Familienbildungsstätte im Land war.

Aus dieser umfassenden Bildungsarbeit entwickelten sich für mich im Laufe der Jahre zwei „zusätzliche“ Schwerpunkte.

Der erste Schwerpunkt beinhaltete die Arbeit mit Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Dabei handelte es sich um Kurse, um Bildungsfreizeiten und Förderung von Elterninitiativen. Getragen wurde dieses Engagement auch von der wachsenden öffentlichen Aufmerksamkeit für die Behinderten und ihre Familien

Der zweite Schwerpunkt bezog sich auf religiöses Brauchtum in den Familien, wobei das Brauchtum um das Weihnachtsfest einen besonderen Platz einnahm. Zu Hause besaßen wir eine wunderschöne Krippe, die die Eltern 1932 angeschafft hatten. Diese wurde seitdem in der Adventszeit immer mit sehr viel Liebe aufgebaut. Mich faszinierte immer, wenn der Vater mit getöntem Papier die Felsenlandschaft von Bethlehem formte.

Unsere erste Krippenausstellung in der Familienbildungsstätte hatten wir 1978 mit Teilnehmerarbeiten aus dem Krippenbaukurs, den ein Hobbykünstler aus Duisburg leitete. Von diesem Zeitpunkt an, begann ich Krippendarstellungen aus anderen Kulturräumen zu sammeln. Aus Lateinamerika, Afrika, Indien, Polen, und Frankreich.

Dabei ging es nicht nur um das Motiv der Krippe, sondern auch um die Flucht nach Ägypten. Zu letzterem Thema gestaltete ich 1991 eine Ausstellung, wobei ich mit Zeitungsausschnitten die Aktualität von Flucht in unserer Zeit belegte.

Die meisten Krippen habe ich bei meinen Reisen und die Vermittlung von Freunden zusammengetragen. Ein Schwerpunkt der Sammlung ist Lateinamerika. Bei diesen Krippen fällt besonders die Inkulturation ins Auge, wobei die Heilige Familie z. B. als Indios in Guatemala, in Bolivien, als Haitianer und auch als fürstliche Azteken dargestellt werden.

Von den vielen 100 Jesuskindern ist mir das liebste, das kleine schwarzhäutige Jesuskind, das mir eine Frau in einer brasilianische Favela geschenkt hat. Sie gab es mir mit den Worten: 'Vergessen Sie unsere Kinder nicht!"

Inzwischen ist meine Sammlung auf ca 400 Krippendarstellungen angewachsen. Ich träume von einem Haus im Ruhrgebiet, das diese Sammlung das ganze Jahr über als ständige Ausstellung zeigt.

Gestickte Weihnachtsbilder aus Peru
Botschaften christlicher Volkskunst
Weihnacht in Columbien